Vikarin Anna Kirchner stellt sich vor

(hjs) Bereits seit Anfang Oktober absolviert Frau Anna Kirchner in der Kirchengemeinde Asemwald-Schönberg ihr Vikariat. Sie stellt sich hier und in unserem Gemeindebrief vor.

Mein Name ist Anna Kirchner und ich bin Vikarin in Asemwald-Schönberg. Mit meiner Familie wohne ich im Asemwald – ein sehr spezieller, aber reizvoller Ort. So durfte ich in den vergangenen Wochen bereits die Vorzüge dieses vertikalen Dorfes kennenlernen, wie zum Beispiel die kurzen Wege und das freundliche und vertraute Miteinander. Nicht nur der Asemwald, sondern auch die württembergische Landeskirche ist für mich ein neues Umfeld. Denn ich gehöre eigentlich der badischen Landeskirche an, absolviere jetzt aber aufgrund der Berufstätigkeit meines Mannes in Stuttgart ein Gastvikariat in Württemberg.

Geboren und aufgewachsen bin ich in der Nähe von Karlsruhe. Während meiner Schulzeit war ich in der Kinder- und Jugendarbeit meiner Heimatgemeinde aktiv. Aufgrund dieser kirchlichen Verbundenheit und meinem Wunsch, über den Tellerrand zu blicken, absolvierte ich nach dem Abitur einen Ökumenischen Freiwilligendienst an einer Frauenberufsschule in Ghana, entsandt durch die Evangelische Mission in Solidarität (EMS). An meinem Einsatzort und in den umliegenden Kirchen erlebte ich mit dem pfingstlichcharismatischen Christentum andere Ausdrucksformen des christlichen Glaubens, die mein bisheriges Verständnis von Christsein in Frage stellten, gleichzeitig aber mein Verständnis von der Einheit und Vielfalt des weltweiten Christentums schärfte. Zudem lernte ich auch eine mir bisher unbekannte Form des Islams und ein von wechselseitigem Respekt gezeichnetes interreligiöses Miteinander kennen. Diese Erfahrungen motivierten mich zu meinem Studium der evangelischen Theologie und meinem Parallelstudium der Islamwissenschaft. Ich studierte zunächst in Kiel, anschließend in Heidelberg, und verbrachte je ein Auslandssemester in Frankreich, der Schweiz und Palästina.

In meinem Studium spielte die Ökumene eine wichtige Rolle. Intensiv beschäftigte ich mich unter anderem mit dem palästinensischen Christentum, worüber ich dann auch nach meinem Examen eine Doktorarbeit schrieb. Neben meinem Studium habe ich mich in vielfältigen ökumenischen Bereichen eingebracht. Zum Beispiel habe ich in meiner Gemeinde in Heidelberg in der Arbeit mit Geflüchteten aus dem Iran, die zum christlichen Glauben übertreten und getauft werden wollen, mitgewirkt. Außerdem nahm ich 2013 im Auftrag der Landeskirche an der Vollversammlung des Ökum. Rates der Kirchen (ÖRK) in Südkorea teil. Es ist mir ein besonderes Anliegen, diese Erfahrungen auf Gemeindeebene
und gerade auch für die junge Generation fruchtbar zu machen.

In mein Vikariat starte ich mit einer großen Vorfreude auf die vielen Begegnungen, neuen Aufgaben und Herausforderungen. Ich bringe aber auch einige Fragen mit: Wie wird die Kirche in der Zukunft aussehen? Wie gelingt es, das Evangelium in einer pluraler werdenden Gesellschaft zu kommunizieren? Wie können wir gerade auch durch die Corona-Pandemie auferlegten Einschränkungen auf Menschen zugehen? Ich bin gespannt zu erfahren, welche Fragen und Anliegen die Gemeinde bewegen und freue mich, mich mit meinen Erfahrungen hier einzubringen.

Vikarin Anna Kirchner